EIN GUTES FOTO - REINE EINSTELLUNGSSACHE


Mal ganz ehrlich: Was macht ein ´gutes´ Foto eigentlich aus? Betrachtet man es aus der Sicht des Betroffenen (der fotografierten Person) sind das meist gänzlich andere Dinge, als aus der Sicht eines neutralen Betrachters des Bildes.
Ein Fotograf ist ein Künstler. Und die Kunst ist, es beiden Recht zu machen.

Ein Fotograf ist aber kein Zauberer. Sondern er bildet nur das ab, was er gerade zu sehen bekommt. Beinharte Reality. Aber es macht die Qualität des Fotografen aus, das beste draus zu machen. Es so zu fotografieren, daß es immer noch die Realtität ist, aber das Beste dabei rauszuholen. Und das gilt für sämtliche Bereiche: für die Technik, fürs Anvisieren des Motivs, etc. Gefällt sich die Person dann immer noch nicht... sorry, Du siehst nun mal nicht aus wie Angelina Jolie.

Letztlich sollte ein guter Fotograf wie gesagt immer versuchen, das Beste draus zu machen - und dafür sind die richtigen Einstellungen nötig - in zweifacher Hinsicht:

1. Die innere, persönliche Einstellung:
Wie soll ein Foto gut werden, wenn ich nicht das Bedürfnis habe, ein gutes Foto zu machen? Auf den Auslöser drücken kann ja jeder - deswegen hat heute auch ´jeder´ eine Handy- oder Pocketkamera. Es ist nun mal nötig, sich mit dem Motiv auseinanderzusetzen, sich (und die Kamera) auf die Situation einzustellen.
Man muss das was man tut lieben, dann wird man es auch gut machen. Dieser weise Spruch stammt nicht von mir, aber er trifft auf die Fotografie in hohem Ausmaß zu.

Ein Phänomen, das ich seit vielen Jahren beobachte hat auch sehr viel mit dieser ´inneren´ Einstellungssache zu tun: bin ich gut drauf, gelingen die Fotos viel besser. Bin ich gut drauf, geht das auf die Leute über, sie lassen sich noch lieber fotografieren, sie lächeln, sie strahlen gerade zu. Let´s have fun, let´s take a photo!
Bin ich hingegen schlecht drauf oder einfach nur müde, weil ich nach zwei Stunden Hallenfußball noch 8 Nachtstunden durch Events streifen muss, dann hab ich den Eindruck: die Leute merken das und ich stecke sie mit meiner eher mageren mentalen Verfassung richtig an. Die Bilder werden träge, die Stimmung ist gleich Null und man bekommt das Gefühl, die Leute wollen einem armen Würmchen nur einen Gefallen tun, wenn sie mit aufgesetztem Grinser in die Kamera schauen.

Dabei sollte es genau umgekehrt sein: WIR Fotografen sollten den Leuten eine Freude machen, wenn wir sie fotografieren. Der Hauptgrund eines Bildes (bei Event- und Partyfotos) ist doch, daß es eine visuelle Erinnerung an eine nie wiederkehrende Zeit darstellt. Bei mir jedenfalls ist es so: Wenn ich von jemanden ein Foto mache und er sagt ´danke´, weiß ich, daß ich den Zweck erfüllt habe und er sich hoffentlich über das Foto freut. Bei der Masse an ´Fotografen´, die heute herumläuft ist es leider oft umgekehrt: Die Menschen bekommen das Gefühl, daß sie dem Typ mit der Kamera einen Gefallen tun, wenn sie sich fotografieren lassen, weil der arme Kerl ja nicht ohne Fotos zum Chef zurückkommen darf. Und genau das ist wieder der Punkt, wo ich sage: der Markt ist übersättigt, wenn die Leute ein Foto von sich nicht mehr als nette Erinnerung sondern als fast schon lästige Zeiterscheinung wahrnehmen. Sobald ich mir in einem Lokal vorkomme wie ein Bittsteller, weil die Leute schon zig-mal fotografiert wurden, dreh ich um und gehe. Man will ja niemanden auf die Nerven gehen, nur weil man ihm eigentlich eine nette Erinnerung machen wollte.


Leider sieht das vermutlich kaum einer meiner jungen Kollegen so, was aber nicht deren Fehler ist. Denn heutzutage bekommt man ein paar Euro um ein paar Bilder zu liefern - und fertig. Wie die Fotos aussehen interessiert ohnedies niemanden, also wozu sich die Arbeit machen? Denn dahinter stecken Auftraggeber, die mit dem Grundgedanken soviel anfangen können, wie ein Eskimo mit einem Kühlschrank.
Als Fotograf im Eventbereich sollte man sich über diese Dinge jedenfalls mal Gedanken machen bevor man sich überlegt, wie man gute Fotos macht. Denn dazu ist es wie gesagt nötig, daß es einem richtig Spaß macht, daß man es mit einer sichtbaren Freude macht und daß es einem auch nicht zu blöd ist, das ganze ernsthaft zu hinterfragen. Einstellungssache eben.

Es gab und gibt Termine, auf denen bin ich - wenns die Zeit erlaubte - stundenlang geblieben, obwohl ich wußte, daß ich alles was ich bspw. für die Zeitung brauche, längst im Kasten habe. Aber ich bin geblieben, weil ich einfach wußte, daß man hier noch tolle Fotos schießen kann. Reine Einstellungssache eben.

Der Grundgedanke der Eventfotografie ist heute leider verloren gegangen: Die meisten Fotografen - ich merke das auch bei den meisten, die sich bei mir bewerben - wollen damit nur ein paar Euros verdienen, ohne sich aber für die Fotografie überhaupt zu interessieren. Kurz gesagt: man könnte auch gleich kellnern gehen, Nachhilfe geben oder Zeitungen austragen für die paar Euros. Aber es macht mehr Spaß in die Top-Clubs gratis reinzukommen und nach ein paar Fotos die restliche Nacht frei Haus zu trinken und zu feiern. Und Mädels lernt man mit der Kamera automatisch leichter kennen. Klingt also für 18jährige Studenten fast nach Traum-Nebenjob. Fotos abliefern ist nur der Job, nicht mehr und nicht weniger. Die Auftraggeber: völlig egal, ob dem User das Bild gefällt - Hauptsache er bringt einen Zugriff und registriert sich. Ich sage nicht, daß das schlecht ist - letztlich gehts mir ja neben dem Fotografieren auch um Zugriffe. Aber wir reden hier von Fotografie und wie man gute Fotos macht und dazu gehört nunmal erwähnt, daß es verschiedene Ansätze gibt, an die Sache ranzugehen.

2. Die technischen Einstellungen:
Seit nunmehr vielen Jahren höre ich ständig diese eine Frage um die sich offenbar vieles dreht: ´Mit welcher Ausrüstung arbeitest Du und welche Einstellungen benutzt Du?´.
Also der erste Teil der Frage ist ganz leicht beantwortet: Ich persönlich habe 12 Jahre mit Canon gearbeitet und habe 2012 zu Nikon gewechselt. Man kann heute aber mit den meisten aktuellen SLR´s gute Fotos machen. D.h. auf die Ausrüstung kommt es nur nebensächlich an.
Die andere Sache sind die Einstellungen: Ich kann hier nur jedem ambitionierten Fotografen raten, es selbst rauszufinden, denn ich kann eines garantieren: anders geht es definitiv nicht. Das einzige Rezept zu guten Bildern - auch in Extremsituationen, wenn die Automatik schon längst versagt oder man sich kreativ austoben möchte - ist: Praxis, Praxis, Praxis.

Es gibts keine Antwort auf die Frage, mit welchen Einstellungen man fotografiert: ein Fotograf mit entsprechenden Ambitionen wird in jeder Situation wissen, mit welcher Einstellung in diesem Moment zu arbeiten ist. Und er weiß es aufgrund der Erfahrung von zig-tausenden Bildern in unzähligen verschiedenen Situationen - und lernt trotzdem immer noch bei jedem Foto etwas dazu!

Hier noch einige Punkte, die ich bei meiner Arbeit wichtig finde, in den ich mich von anderen mitunter unterscheide:

  • Mein oberstes Prinzip bei Fotos von Privatpersonen: Ich will, daß die eine Freude damit haben und daß denen das Bild wirklich gefällt. Ich habe lieber die qualitativsten Eventfotos als die meisten. Qualität und Quantität zu vereinen ist primäres Ziel beim Abfotografieren eines Events. Daß mir die Sache an sich am wichtigsten ist, zeigt auch die Tatsache, daß meine Eventfotos nach wie vor im Internet noch frei verfügbar sind. Niemand muss sich bei mir registrieren oder einloggen, nur um sein Foto zu sehen. Dies ist aber leider seit Jahren der Trend bei den Mitbewerbern, ich finde es nicht richtig.

  • Kaum jemand sonst fotografiert soviele Events mit so einer extremen Bandbreite. Nicht selten muss ich mich im Auto umziehen, weil ich bspw. direkt von einem Ball auf ein Rave fahre. Dieser extreme Kontrast von der high society direkt in die Vorstadtdiskos verschafft enorme Abwechslung und lässt den Job niemals fad werden. Das klingt nach viel Arbeit (ist es auch), verschafft aber sehr große Vorteile, u.a. weil man einfach sehr viele interessante Leute in interessanten Positionen kennenlernt.

  • Andere Fotografen machen entweder Partyfotos (damit hab ich begonnen) oder Pressefotos (Profifotografen) - ich tu mir beides an und bin meistens zuerst auf VIP-Events für die Tageszeitungen und fahr danach noch in die Clubs.

  • Ich frage so gut wie immer um Erlaubnis, bevor ich ein Foto mache. Mit der Zeit habe ich gemerkt, daß die Leute das zu schätzen wissen, dadurch ist meine Arbeit heute leichter.

  • Ich kontrolliere jedes einzelne Foto persönlich vor dem Veröffentlichen auf Qualität und event. Rechtsverletzungen nach. Viele verzichten auf die Kontrolle, da man damit natürlich viel Zeit spart.

  • Ich befolge strikt alle gesetzlichen Vorschriften beim Veröffentlichen von (Personen-)Fotos im Internet. Daher bekomme ich so gut wie nie mails mit der Bitte um Entfernung.

  • Genauso ernst nehme ich auch Verstöße gegen meine eigenen Urheberrechte und verfolge diese bei Bedarf gerichtlich.

  • Ich fotografiere niemals im Automatikmodus. Eine Todsünde, wenn man auf nächtlichen Events eine gute Aufnahme machen will! (siehe oben)

  • Ich versuche stets, verschiedene Personen abzubilden und nicht "hundert mal die gleichen Leute".

  • Ich mache jedes Pressefoto selbst und mache auch Partyfotos in den wichtigsten Wiener Clubs noch selbst.

  • Ich zeige jedes (Party- nicht Promi-)Foto vor Ort am Display her. Bei Nichtgefallen mache ich ein Neues. Diese Zeit nehm ich mir einfach und auch gerne.

  • Ich betrachte die vielen anderen Fotografen auf diversen Events nicht als Konkurrenten sondern als Kollegen, die dasselbe machen wie ich: Fotos. Es stört mich lediglich bei einigen der schlechte Umgang mit dem Publikum (ungefragtes Fotografieren, Reinblitzen in die Aufnahmen anderer, nicht erlaubte Veröffentlichungen, etc.), da dies generell ein schlechtes Licht auf Eventfotografen wirft und nicht alle Leute die einzelnen Fotografen unterscheiden können. Als höchst unkollegial betrachte ich Kollegen, die ein aufwendig getelltes Pressefoto mit bspw. 3 VIPs einfach mitfotografieren und es dann womöglich noch zu dumping-Preisen verkaufen.

  • Ich habe keine Vorgabe von einem Auftraggeber, bspw. "50 x-beliebige Fotos vom Event X" zu machen. Meine Vorgabe lautet "die besten Fotos von den interessantesten Personen auf den angesagtesten Events" zu machen - und diese Vorgabe kommt von mir selbst.